Bread & Roses

KULINARISCHE POESIE...MIT ABZÜGEN IN DER B-NOTE


Bericht: Sascha Perrone  |  Fotos: Sascha Perrone
- 21.10.2016 -


SP



Zu den wohl spannendsten Neueröffnungen des Jahres zählt für mich definitv das Bread & Roses - seit 09.05.2017 in DR. KOSCH umbenannt - , welches Sterenkoch Volker Drkosch in den Räumen des ehemaligen Sascha's Rotisserie & Bar eröffnet hat. Ihm zur Seite steht mit Michael Noack ein - bitte nicht wörtlich nehmen Herr Noack - alter Weggefährte, denn die beiden haben bereits im VICTORIAN zusammen gearbeitet, wo Drkosch die Rolle des Küchenchef und Noack die des Somellier bekleidete. In gleicher Konstellation sind die beiden nun im eigenen Laden tätig und bei zwei solch außergewöhnlichen Charakteren war ich gespannt, was mich erwarten wird.


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Es ist Donnerstagabend und pünktlich mit dem Glockenschlag betretet ich um 18.30 Uhr das kleine Restaurant an der Gerresheimer Straße - und klein ist hier wörtlich gemeint, denn abzüglich einer kleinen Spülnische und dem Weg zu den Toiletten, ist das eigentliche Restaurant nicht größer als ein Wohnzimmer. Allerdgins wurde hier wirklich jeder Zentimeter optimal genutzt, denn ich zähle insgesamt knapp 26 Sitzgelegenheiten.

Der Empfang durch Michael Noack ist professionell höflich und ich bekomme einen Platz am Tresen direkt vor der offenen Küche zugewiesen, den ich gerne annehme. Volker Drkosch ist schon beim "Aufwärmen" und trifft letzte Vorbereitungen für den Abend. Wir tauschen uns kurz aus, wobei Drkosch mir sein Konzept und die Karte erklärt, bevor wir speisetechnisch mit der Entscheidung zum Chef's Choice in vier Gängen in den Abend starten. Das Thema Getränke liegt selbstverständlich in der Verantwortung von Michael Noack, der meinem Wunsch einer "Ich-bin-leider-mit-dem-Auto-da"-Konformen Weinbegleitung nachkommt.



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Als kleiner Snack zum Zeitvertreib erreicht mich wenige Minuten später ein Schälchen mit frischem Popcorn, welches mit einem Sirup überzogen wurde. Eigentlich ein coole Idee, aber leider verleiht das Sirup dem Popcorn eine solche Klebrigkeit, dass es bereits nach kurzem Abkühlen als einziger Klumpen aus der Schale gehoben werden kann und es sich nach einer kleinen Naschprobe noch minutenlang zwischen den Zähnen gemütlich macht. Brauche ich nicht.

Entschädigt wird man aber durch ein ofenfrisches, noch dampfend warmes, Brot, welches mit einer feinen, mediterranen Butter gereicht und umgehend von mir, mit Hingabe verzehrt wird.


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Das eigentliche Menü startet mit einem Tatar von der Rotgarnele, welches mit einem Sorbet und knackfrischen Shoten serviert wird. Dazu befindet sich am Rand ein säuerliches Bargamottgel.

Gleich bei diesem ersten Gang überzeugt Drkosch mit einem wunderbaren Spiel der Aromen und Temperaturen, was absolut Lust auf mehr macht.

Als begleitenden Wein reicht Michael Noack einen frischen 2015er Riesling aus dem Hause Dönnhoff.


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Weiter geht es mit dünn geschnittenem Fisch, der von unglaublich aromatischen Pilzen begleitet wird, welche lediglich kurz in der Pfanne mit Frühlingszwiebeln angebraten wurden. Dazu gibt es noch Erbsen, Schäumchen und Tinkturen, welche den Fisch sehr gut unterstützen und auch diese gesamte Kreation zu einem unvergleichlichen Geschmackserlebnis werden lassen.

Als Wein gibt es einen Wiener gemischten Satz aus dem Hause Zahel, ein östereichisches Cuvée aus fünf Rebsorten.


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Als nächster Gang erreicht mich ein perfekt gebratener Saibling, mit leicht angeschwenktem Spinat und Blumenkohl. Eine schöne salzige Note kommt bringt ein Kaviar mit ins Spiel und eine feine Note Vanille kommt auch durch. Für mich, das Highlight des Abends.

Weintechnisch wieder durch ein weißes Cuvée unterstützt, diesmal allersings aus Spanien von Tomàs Cusiné.


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Zu guter letzt gibt es noch eine Leckerei, die sich bereits herumgesprochen hat und bei den Gästen bisher so gut ankam, dass Drkosch sie auch weiter auf der Karte lassen wird - die Reder ist von der Umami-Bolognese. Und diese ist wirklich der Knaller! Stundelang eingekocht und mit Pilzen, Tomate, gerösteten Kernen und Rucola serviert wieder eine wahre Aromen-Bombe die richtig viel Spaß macht.


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Mein Fazit: Volker Drkosch besticht durch ein große Kreativität und unglaubliche Aromenvielfalt -  jedes Gericht das auf den Teller kam war großartig und habe ich so in Düsseldorf noch nicht gegessen. Großes Kompliment. Das Drumherum konnte mich jedoch nicht so ganz überzeugen. Es wirkt alles schon sehr eng und vier Plätze weniger im Laden und zwei weniger an der Theke würde dem Bread & Roses vielleicht etwas besser zu Geischt stehen. Auch die Wartezeit zwischen den einzlenen Gängen könnte verkürzt werden, dauerte mein 4-Gang-Menü mit knapp drei Stunden doch etwas sehr lang.



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