Enzo im Schiffchen

GROSSARTIGE ITALIENISCHE KÜCHE IM SCHÖNSTEN HAUS VON KAISERSWERTH


Bericht: Sascha Perrone  |  Fotos: Sascha Perrone
- 14.10.2016 -


SP



Nachdem ich vergangenen Mittwoch mit Jean-Claude Bourgueils "Im Schiffchen" das einzige zweifach besternte Restaurant in Düsseldorf besucht habe, zog es mich exakt eine Woche später wieder zum, wenn ich Bourgueil zitieren darf, "schönsten Haus in Kaiserswerth". Diesmal jedoch, um das "Enzo im Schiffchen" zu besuchen, welches im, von Bourgueil in den letzten drei Jahrzehnten alternativ und kreativ genutzten, Erdgeschoss des Hauses beheimatet und ebenfalls vom Michelin ausgezeichnet ist. Gleichzeitig ist das "Enzo" auf meiner kulinarischen Reise das letzte noch unbesuchte Sternerestaurant unserer schönen Stadt.

Bei meinem Besuch vor einer Woche war ich sehr beeindruckt - nicht nur von dem hervorragenden Menü, sondern auch von dem Haus und der dort vorherrschenden Atmosphäre. Und so beschlich mich beim Einbiegen auf die Zielgerade gleich wieder die Erinnerung an besagte Stimmung und meine Vorfreude und Lust auf einen tollen Abend stiegen kontinuierlich, als ich das, aus dem Jahre 1733 stammende, Haus erblickte und an gleicher Stelle wie vergangenen Mittwoch mein Auto parkte.

In Empfang genommen werde ich von Enzo Caso, Namensgeber und Restaurantleiter im "Enzo im Schiffchen", der mich im typisch charmanten "italian-style" begrüßt und zum Tisch geleitet.

Bevor es kulinarisch losgeht noch ein kurzer Blick auf die beeindruckende Historie dieses Restaurants, denn in den letzten 40 Jahren ist hier einiges passiert. 1977 eröffnete Jean-Claude Bourgueil hier, wo heute das "Enzo" zu finden ist, sein Restaurant "Im Schiffchen", welches bereits 1979 mit einem Stern und 1983 mit zwei Sternen ausgezeichnet wurde. Im Jahre 1986 zog das Schiffchen eine Etage höher (wo es ein Jahr später übrigens den dritten Stern verliehen bekam) und machte Platz für ein weiteres Gourmet-Restaurant namens "Aalschokker", wo Bourgueil gehobene deutsche Küche anbot und ein Jahr später auch in diesem Restaurant einen Michelin-Stern verliehen bekam.

Im Jahr 2001 wurde das Restaurant "Aalschokker" aufgrund des großen Umbau des Hauses geschlossen und ein Jahr später eröffnete Bourgueil an dessen Stelle "Jean-Claude's Bistro", welches vier Jahre später einfach nur noch "Jean-Claude" hieß und, wie schon das Vorgänger-Restaurant, 2006 ebenfalls mit einem Stern ausgezeichnet wurde.

Die vorerst letzte kreative Neuerfindung des Erdgeschoss vollzog Bourgueil dann 2012, als aus dem "Jean-Claude" das "Enzo im Schiffchen" wurde und die italienische Küche Einzug in dem Tempel der Kulinarik hielt - mittlerweile, man ahnt es bereits, auch mit einem Stern ausgezeichnet. Man könnte durchaus sagen und so habe ich es in eben diesem Moment beschlossen, Monsieur Bourgueil trägt ab jetzt, für mich persönlich zumindest, den Titel "der Sterneflüsterer".

So - genug der Historie gehuldigt, willkommen im Jahr 2016. Hier sitze ich nun an meinem Tisch im Enzo und freue mich über die Architektur und die Atmosphäre des Speiseraum, welcher dem inneren eines Schiff nachempfunden ist und mit einem tollen Farbspiel, angenehmem Licht und vielen kleinen dekorativen Highlights überzeugt.


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Bei einem Blick in die Speisekarte wird relativ schnell klar, dass die Wahl auf das Menü fällt, was aber nichts damit zu tun hat, dass die à la carte-Auswahl nicht ansprechend wäre - ganz im Gegenteil - sondern daran, dass ich natürlich so viel wie möglich probieren möchte. Also dann...


Pizzetta al tartufo
Eine herrlich aromatische, knusprige kleine Pizza, die mit Trüffeln bestreut wurde und ganz viel Lust auf mehr macht.


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Stuzzichino
Als Vorspeise erreicht mich eine schmackhafte Pasta mit Trüffeln.


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Dentice marinato al limone di Amalfi, finocchio e cipolle di Tropea
Das Menü beginnt mit einer marinierten Zahnbrasse die gespickt mit Amalfi-Zitronen und umringt von Fenchel und Tropea-Zwiebeln daherkommt. Ein wunderbares Zusammenspiel von Süße und Säure.


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Cappuccino di porcini
Weiter geht es mit einem wunderbar abgeschmeckten Steinpilzcappuccino der mit einem Stäbchen getoppt daherkommt, welches perfekt zubereitete Nierchen, umwickelt mit feinstem Schicken, bereit hält. TOP!!!


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Bevor es mit dem eigentlichen Menü weiter geht, lässt es sich Jean-Claude Bourgueil nicht nehmen, drei Kreationen außer der Reihe als Gruß aus der Küche zu schicken.

Zunächst eine perfekt zubereitete Jakobsmuschel von großartiger Qualität, die sich auf einem Bett von gebratenem Radicchio und Mango richtig wohl fühlt. Die Süße und das Aroma der Mango bringen hier den Kick zur Muschel.


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Dann auch ganz groß: Ravioli del Plin, welche mit Milchkalb gefüllt und mit Pilzen und Trüffeln als Krönchen ganz hervorragend schmecken. Dazu ein Bruschetta mit Lardo di Colonnata, dem vielleicht besten Schinken Italiens, wovon ich am liebsten ein ganzen Brotkörbchen voll nachbestellen würde. Super!


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Gruß Nummer drei ist "Gnocchi alla Romana". Hierbei handelt es sich nicht um einen klassischen Gnocchi aus Kartoffelteig sondern um das Gericht aus der römischen Küche, welches aus Hartweizengrieß besteht. Einfach, schön und schön außergewöhnlich! Mercie Monsieur Bourgueil - oder an dieser Stelle lieber Grazie!


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Conchiglioni farciti all’astice gambero e salsa al dragoncello
Weiter geht es mit dem eigentlichen Menü und zwar mit einem Conchiglioni, einer muschelförmigen Pasta, die mit Hummer gefüllt und begleitet von einer Garnele in Estragonsauce serviert wird. Dazu noch die Schere.


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Filetto di cinghialetto dell’Umbria, olive, orzo e peperone
Hauptakteur am heutigen Abend ist das Rückenfilet vom Frischling aus Umbrien, welches herrlich zart und perfekt zubereitet von Graupen, Oliven und Gemüse begleitet wird.


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Crème brulée al latte di mandorla siciliano, insalata di agrumi e granita al campari
Der erste von zwei süßen Abschlüssen ist eine Crème brulée aus sizilianischer Mandelmilch, welche auf einem Taler und einem Bett aus Zitrusfrüchte und Camparigranité tront.


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Mon cheri
Das süße Highlight zum Schluss ist ein mit Kirsche und Mousse gefülltes "Schokoladensegel", welches geschmacklich dem originalen Namensgeber nahe kommt, aber letztendlich besser schmeckt.


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Das war sie, die kulinarische Reise durch Italien. Beeindrucken und nachhallend, denn so habe ich die italienische Küche in Düsseldorf noch nicht erlebt. Neben den Köstlichkeiten bleiben aber auch die einzigartige Atmosphäre eines einzigartigen Hauses und vor allem der exzellenten Service durch ein engagiertes Team im Kopf hängen. Dieses bricht mit einer herrlich lockeren Art das, wohl leider ewig bleibende, Vorurteil, es würde nur piekfein und steif in einem Sternerestaurant zugehen.

Arrividerci Signor Bourgueil e Signor Caso, wir werden uns wiedersehen - sicuramente...



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