Restaurant Gustus

Klassiker mal anders - auf Gut Gützenhof

ein Bericht von Sascha Perrone
- 03.03.2016 -


SP



Es ist März und folglich mal wieder "tour de menu". Allerdings finde ich beim durchblättern der Broschüre kaum nennenswerte Highlights und große Überraschungen schon gar nicht - außer vielleicht eine: Das Gustus in Ratingen. Ich habe schon viel Gutes über dieses Restaurant gehört und gelesen und das angebotene Menü finde ich spannend. Ich überlege also, ob sich der Weg von Düsseldorf nach Ratingen wirklich lohnen könnte und beantworte mir diese Frage mit einem "Ob es sich lohnt wird sich zeigen, aber den Weg mache ich mir gerne".

An einem Donnerstagmittag ist es dann soweit und ich erreiche irgendwann das etwas abseits, umschlossen von Wald und Wiesen auf einem Gutshof gelegene, Restaurant. Im Eingangsbereich prangert in großen weißen Lettern auf fliederfarbenem Untergrund und ins Auge springend der Schriftzug "Welcome" - und so fühle ich mich gleich von Anfang an, Willkommen, als mich die junge und herzlich freundliche Servicemitarbeiterin entgegen nimmt und mich zu einem Tisch am Fenster geleitet.
 
Der Tisch ist hübsch eingedeckt, eher dezent und nicht überladen, mit farblichen Akzenten in Lila/Flieder und hellem Braun, welche sich auch im gesamten Restaurant wiederfinden. Der Gastraum an sich erinnert mich eher an einen Landgasthof, allerdings mit modernem Einschlag und vor allem nicht so dunkel und muffig wie andernorts, sondern durch die weißen Decken eher hell und freundlich. Man fühlt sich halt einfach wohl.


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Inhaber des Gustus sind übrigens Michael und Ina Strasser. Das junge und sehr sympathische Ehepaar teilt sich die Aufgaben - Michael ist Chef in der Küche und Ina Chefin im Restaurant. Diese Kombination hat bei der letzten Station der beiden schon wunderbar harmoniert: Bei Daniel Dal-Ben im sterngekrönten Restaurant Tafelspitz 1876, wo Michael als Sous-Chef fungierte und Ina den Service leitete.

Die Voraussetzungen für eine kulinarische Mittagszeit könnten also schlechter sein und so freue ich mich nun auf das "Gentleman-Menü" - vier spannende Gänge zum Preis von 39 EUR. Dazu wähle ich die Weinbegleitung welche mit 18,50 EUR zu Buche schlägt.

Während ich warte führe ich mir die "normale" Speisekarte zu Gemüte und bin von der ansprechenden Auswahl echt begeistert - da könnte ich mir auf Anhieb auch zwei oder drei weitere Menüs in Eigenregie zusammenstellen, denn spannende Kreationen stehen zur Auswahl. Hier ein kleiner Auszug: "Natur gegrillter Oktopus mit kaltem Salat von gebratenen Zucchini, Zwiebeln und Tomaten dazu Knoblauch, Aioli und Weißbrot (12,50 EUR)" - "Gebackenes Landhuhn-Ei mit grober Senfsoße auf Spinat und klassisch gekochtem Risotto (10,50 EUR)" - "Im Ofen geschmorte Schulter vom Lamm mit einer kräftigen Portweinsauce, Selleriepüree, Calvados-Äpfeln und gebratenen Salatherzen (23,50 EUR)".

Nun geht es aber los mit meinem Menü und zwar mit dem "Clubsandwich, belegt mit dünn aufgeschnittenem Roastbeef dazu hausgemachte Remoulade, gerösteter Speck, Gouda, Tomate und Gurke". Bilder sagen ja bekanntlich mehr als tausend Worte und was will ich da noch groß sagen - die Kombi ist wirklich sehr gut, die einzelnen Aromen kommen super zur Geltung und eine Extraportion Würze bringt der vorher nicht angekündigte Rucola mit. Auch die selbstgemachte Remoulade ist richtig lecker. Für mich eine wunderbare Interpreation des "Hotelklassiker Club Sandwich", welche ja eigentlich mit Huhn serviert wird. So kann es weitergehen.


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Tut es auch und zwar mit einem weiteren, neu interpretierten Klassiker, denn es gibt Pot-au-Feu, allerdings nicht wie üblich mit Rindfleisch, sondern mit Fisch und Meeresfrüchten. Und auch diese Interpretation gefällt mir richtig gut. Die Würze ist super, die vier Komponenten aus dem Meer passen herrlich und der separat gereichte Crostini mit Sauce Rouille unterstreicht die aromatische Vielfalt dieser Kreation. Begleitet wurde dieser Gang von einem 2014er MAN Vintners Sauvignon Blanc Warrelwind.


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Der Hauptakteur des Menü folgt nun in Form des saftigen Kotelett vom Landschwein mit Panch Phoron und hausgemachter Kräuterbutter, Prinzessböhnchen im Speckmantel und getrüffeltem Kartoffelgratin. Sehr gut! Das fenchelige/kümmelige Aroma der Panch Phoron passt gemeinsam mit der Kräuterbutter sehr gut zum Fleisch. Auch das Gratin gefällt mir richtig gut, vor allem ist der Trüffel nicht zu dominant, sondern kommt eher als Trüffelnote daher. Tja und die Böhnchen - toller Biss und eingepackt in den Speck einfach richtig lecker. Begleitet wurde dieser Gang von einem 2011er Huarpe "Taymente" Cabernet Sauvignon.


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Zum krönenden Abschluss gibt es schwarzen Espresso mit Zigarre, wobei die Zigarre nicht zum qualmen ist, sondern als weiße Schokoladenrolle, gefüllt mit dunkler Mousse serviert wird. Diese Kreation war wirklich nochmal ein Genuss für alle Sinne, der die Aromen auf der Zunge tanzen lässt - die Schokolade süß, sauer und salzig, außen knuspernd, innen die gelungene Konsistenz der Mousse, als Ergänzung noch ein Hauch Minze. Richtig lecker! Abgerundet wurde das Dessert mit einem schönen Portwein.


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Was lässt sich nun als Fazit festhalten?: Kurz und knapp, das Essen war super! Besonders gut gefallen hat mir die Kreativität die Michael Strasser an den Tag legt, vor allem wenn er Klassiker neu bzw. anderes interpretiert und mit seiner ganz eignen Handschrift verziert. Bin gespannt, was wir hier in Zukunft noch erwarten dürfen - ich freue mich drauf.

Zu guter Letzt kann ich nun auch die Frage beantworten, ob sich der Weg von Düsseldorf nach Ratingen wirklich lohnt: "JA!!!" - und ich komme wieder...



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