S-Raum

Modern, kreativ und ausgefallen - das neue Konzept von Marcel Schiefer


Bericht: Sascha Perrone  |  Fotos: Sascha Perrone
- 26.01.2017 -



SP



Als ich im vergangenen Jahr Marcel Schiefer auf einer Veranstaltung traf erzählte er mir, dass er neben dem "Bruderhaus" noch ein weiteres Restaurant eröffnen wird, woraufhin ich natürlich gleich hellhörig wurde. Das der ehemals jüngste Sternekoch Deutschlands gut kochen kann, steht wohl außer Frage, aber das sein neues Konzept in Richtung casual fine dining geht, war natürlich umso spannender, denn solche Konzepte finde ich richtig klasse.

Ende des Jahres war es dann soweit und Marcel eröffnete den S-Raum. Die ersten Monate hatte er lediglich Freitagabend und Samstagabend geöffnet, weshalb ich es bisher leider nicht geschafft habe, das Restaurant zu besuchen. Letzte Woche erreichte mich dann die Nachricht, dass er von nun an Dienstag bis Samstag geöffnet hat, was mir sehr entgegen kommt und woraufhin ich für Mittwochabend einen Platz reservierte.

Das Restaurant ist im Gebäudekomplex der Schwanenhöfe beheimatet und liegt dort, ein wenig versteckt, in einem "Innenhof" und ist unter der Nummer 228a zu finden. Nachdem man durch die Tür in der gläsernen Fassade schreitet, findet man sich im "Ess-Raum" des Lokals wieder, welcher im stylischen Indrustriechic daherkommt.  Braune Wände, unverputzte Säulen, nackiger Betonboden und die freiliegenden Rohre an der Decke, gepaart mit einem tollen, modernen Lichtkonzept vermitteln gleich den Eindruck, dass es hier recht ungezwungen zugeht. Ich suche mir einen freien Tisch, nehme auf einem saubequemen Stoffsessel Platz und fühle ich mich auf Anhieb wohl.

Sehr gut gefällt mir auch die angenehme Atmosphäre, die durch die große Fensterfront entsteht. Jetzt, wo es draußen dunkel ist, wirkt es sehr gemütlich, wobei ich mir aber auch vorstellen kann, dass ein phantastisches Licht entsteht, wenn im Frühjahr oder Sommer die Sonnenstrahlen in den Raum fallen.



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Durch die großen Fenster blickt man übrigens unweigerlich in ein, direkt gegenüber
liegendes, Fitnessstudio, wo sich fleißige Sportfreaks an Geräten und mit Freihanteln abrackern. Wenn ich mir einige der Hungerhaken so anschaue, denke ich, dass diese eigentlich mit mir den Platz tauschen und etwas essen sollten, während ich drüben ihren Platz einnehme und die Hanteln stemme. Nach kurzem Überlegen entscheide ich jedoch, meinen Fitness-Kick-off auf Morgen zu vertagen und widme mich lieber einem kulinarischen Workout, der mit einem Blick in die Speisekarte beginnt.

Eine richtige "Speisekarte" gibt es im S-Raum jedoch gar nicht, sondern lediglich die aktuelle Einkaufsliste für Januar und Februar, welche die Zutaten verrät, die bei den derzeitigen Gerichten verwendet werden. Daraus kocht das Küchenteam eine kulinarische Reise, die man entweder als 9-Gang-Version zu 99 EUR oder 12-Gang-Version zu 129 EUR ordern kann. Spannend, cool und definitiv mal was anderes.

Der aktuelle Einkaufszettel liest sich übrigens so: Saiblings Kaviar, Buchweizenmehl, Wachtelei, Kalbsbries, schwarzer Trüffel, Radieschen, Saibling, Ponzu, Senf, Grünkohl, Rippchen, Zimt, Kaninchen, Süßkartoffel, Apfelholz, Paprika, Staudensellerie, Wasabi, Landei, Spinat, Soja, Albatrüffel, Gartenkresse, Salzzitrone, Skrei, Schinken, Perlzwiebeln, Käse aus der Fromagerie, Banane, Kokosmilch, Ente, Honig, Pilze, Quark, Treviso, Ingwer, Rippchen, Rettich, dunkle Schokolade, Rübenkraut, Apfel



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Seit dieser Woche bietet Marcel Schiefer neben dem Menü auch "à la carte Gerichte" an - seine sogenannten Kurztrips - welche vor allem an Wochentagen Sinn machen, wenn man entweder nicht allzu viel Zeit hat oder nicht neun oder sogar zwölf Gänge essen möchte.

Wie ihr mich mittlerweile kennt, könnt ihr euch wahrscheinlich vorstellen, wie meine Entscheidung ausfiel, oder?! Richtig, ich gehe auf die Reise!



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Los geht es mit der "Brotzeit", sowie drei kleinen Naschereien, die allesamt, bereits an dieser Stelle, ein kleines Ausrufezeichen setzen und Lust auf mehr machen:

1. Wachtelei mit Saiblingskaviar als Topping und platziert auf einem "Buchweizenchip"

2. Königsberger Klops vom Saibling

3. Gebratener Kalbsbries mit Trüffelremoulade


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Als nächstes erreicht mich ein wunderbar zubereitetes Stück vom Saibling, welches von toller Konsistenz ist und über Apfelholz geräuchert wurde, wodurch es ein wunderbar rauchiges Aroma mit sich bringt. Dazu angegossen wird ein Sud aus roter Bete.


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Weiter geht es mit ausgebackener Kabeljau-Zunge die mit einer Paprikacreme gereicht und mit den Fingern gedippt werden darf. Richtig klasse und erinnert mich unweigerlich an meine Kindheit, als es, im absolut positiven Sinne gemeint, zum Abendbrot dann und wann mal den "Fisch aus der Dose in Paprikacreme" gab - ein Klassiker der 80er Jahre, hier natürlich in der absolut gehobenen Variante.



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Als nächster Gang folgt das Kaninchen, und zwar in vier Varianten: Die Leber als Bällchen auf Grünkohl, den Rücken im Speckmantel, die Keule gezupft und ebenfalls als Bällchen und die Niere auf einem Süßkartoffel-Püree. Dazu zwei crunchige Blättchen Grünkohl und ein kleines Zwiebelchen als unterstützende "Bitternoten". Ein Teller der mir sehr gut gefällt und der durch handwerkliches Geschick überzeugt.



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Weiter geht es mit einem Cappuchino vom Kaninchen, eine Hommage an Marcels Lehrmeister Jean-Calude Bourgueil. Das Süppchen ist herrlich aromatisch und Marcel lässt gleich eine Kanne zum selber nachgießen am Tisch.



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Als nächsten Gang erreichen mich zwei Rippchen vom Duroc-Schwein die mit Pflaume mariniert wurden. Die Süße passt ganz toll zu dem würzigen Fleisch. Gegessen wird übrigens wieder mit den Fingern und als ganz klare Ansage aus der Küche: am besten komplett vom Knochen abknabbern. Ein feuchtes, warmes Handtuch zum anschließenden Reinigen der Finger wird gleich mitserviert. Super!


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Fleischig geht es weiter, und zwar mit der Entenbrust, die am Knochen gebraten und am Tisch von Marcel tranchiert wird. Dazu wird im Kännchen eine Jus aus den Karkassen gereicht, die der Gast nach eigenem Gusto selber an- und nachgießen kann. Die Jus wurde mit Ingwer, Zitronengras und Koriander verfeinert und hat so einen wunderbar asiatischen Touch, der noch von einer gebratenen Ananas unterstrichen wird.



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Die Präsentation bzw. Anrichteweise der anschließend folgenden Käseauswahl war der Knaller, denn die sechs Käsesorten samt Brot und süßem Touch erreichen mich als "Käseigel", wie ich ihn noch nicht gesehen habe. Cool.


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Zum süßen Abschluß gibt es zunächst die gebackene Banane, die mit Sorbet und auf einem Spiegel von Jasmintee serviert wird. Auch wieder sehr schön mit einem Hauch asiatischer Gewürze verfeinert.



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Zum Finale gibt es wieder eine Hommage an die Kindheit: Brot mit Quark und Rübenkraut
, verpackt in Schokolade und begleitet von Sorbet aus Rotkohl und einem Schaum vom Apfelcidre. Auch richtig gut und ein würdiger Abschluss eines hervorragenden Menüs.



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Mein Fazit:
Marcel Schiefers neuer S-Raum ist definitiv eine Bereicherung für die Düsseldorfer Gastrolandschaft und trifft voll den Zeitgeist. In locker leichtem ungezwungenem Ambiente bietet das junge Team in entspannter Atmosphäre eine moderne und kreative
Küche auf hohem Niveau.

In diesem Zusammenhang möchte ich noch ein großes Lob und ein herzliches Dankeschön an Benjamin Arnswald für den ausgezeichneten Service und Hagen Wagner für das fachkundige finale Anrichten der Speisen am Tisch aussprechen.



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KONTAKT
S-Raum
Erkrather Straße 228a
(in den Schwanenhöfen)
40233 Düsseldorf
Tel.: 0211 - 77 92 92 59
www.s-raum.com




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ÖFFNUNGSZEITEN
Di. bis Sa.: 19 - 24 Uhr

So. und Mo.: geschlossen