Haus Stemberg

Zwei Küchen von einem Herd - hervorragend unkompliziert


Bericht: Sascha Perrone  |  Fotos: Sascha Perrone
- 30.08.2016 -


SP



Nachdem ich in den letzten Wochen komplett mit dem kulinarischen Heimspiel beschäftigt war fand ich, es wäre mal wieder Zeit für einen ausgiebigen Restaurantbesuch. So nahm ich am vergangen Wochenende die Planung für meinen Montagmittag in Angriff, was erfahrungsgemäß gar nicht so einfach ist, denn fast alle Restaurants, die noch auf meiner "To-Do-Liste" stehen, haben montags geschlossen oder nur abends geöffnet.
Ein Restaurant auf meiner Liste lachte mich jedoch besonders an - aus drei Gründen: Erstens hat es doch tatsächlich Montagmittag geöffnet - zweitens eilt ihm der Ruf voraus, zu den besten Restaurants im Düsseldorfer Umland zu gehören (1 Michelin-Stern, 16 Punkte Gault&Millau) - und drittens will ich dieses Restaurant schon seit einer gefühlten Ewigkeit besuchen. Die Rede ist vom Haus Stemberg.

Das Einzige was mich bisher davon abgehalten hat ist der Weg dorthin. Doch wenn ich es mir Recht überlege: Wohnt man am östlichen Stadtrand von Düsseldorf, so wie ich, macht es eigentlich keinen Unterschied, ob ich 30 Minuten Richtung Westen in die Innenstadt fahre oder ob ich 30 Minuten Richtung Osten nach Velbert fahre - außer das diese Richtung mangels roter Ampeln und Stadtverkehr wohl die entspanntere Fahrt mit sich bringen wird.

Die Entscheidung steht also und so mache ich mich am Montag auf den Weg - raus aus dem Großstadtdschungel und über Land in Richtung Velbert. Nach jeder Menge Wald und Wiesen, kurvenreichen Straßen und "steilen Berghängen" erblicke ich dann, das mitten im Grünen am Rand der Landstraße, gelegene Gasthaus. Parkplatz direkt vor dem Haus, was will man mehr?! Reserviert habe ich übrigens total unkompliziert - am Sonntagnachmittag, per eMail, bei Küchenchef Sascha Stemberg persönlich. Und er nimmt mich auch gut gelaunt in Empfang, als ich um Punkt 12.00 Uhr das Gasthaus betrete.

Bereits in diesen ersten Momenten spüre ich die Freundlichkeit, die Leidenschaft, die Tradition und die Nähe zu den Gästen, was sich in den kommenden zweieinhalb Stunden durchweg bestätigen wird: Ich fühle mich, wie zu Besuch bei Freunden.

Dieses Gefühl liegt wahrscheinlich auch daran, dass sich Familie Stemberg schon seit mehr als 150 Jahren (!) um das leibliche Wohl der Gäste kümmert - Sascha Stemberg als Küchenchef bereits in fünfter Generation, als er vor 12 Jahren das Zepter in der Küche von Vater Walter übernahm. Dieser ist jedoch weiterhin voll in das Tagesgeschäft involviert ist und kümmert sich leidenschaftlich um die Gäste.

Ich bespreche mich kurz mit Sascha Stemberg, wie wir den kulinarischen Mittag am besten zusammen verbringen werden - wir stellen schnell fest, er wird in der Küche stehen und arbeiten, ich werde im Gastraum sitzen und es mir schmecken lasse ;-) Die Frage ist jedoch, was soll es zu Essen geben? Der Küchenstil im Haus Stemberg ist trefflich benannt nach dem Motto „Zwei Küchen von einem Herd“, sprich es gibt regionale Gerichte und Gerichte der "neuen Kochkunst", wie Sascha Stemberg sie nennt.

So stehen neben einigen Klassikern wie Kalbstafelspitz, Stemberg's Blutwurst, geschmorte Ochsenback, Steaks und dem Wienerschnitzel auch ein "Regional-Menü" und ein "Degustations-Menü" zur Auswahl. Ich habe mich zunächst für das Degustations-Menü entschieden, doch dann sagte Sascha noch, ich könne die einzelnen Kreationen der Menü's auch ganz unkompliziert untereinander kombinieren. Bei so viel Qual der Wahl fiel mir die Antwort darauf sehr leicht: "Mach mir einfach was Du willst!". Und mit einem Grinsen im Gesicht ging Sascha in die Küche - wenn ich es mir Recht überlege war es ein freudiges Grinsen...eigentlich ein sehr freudiges Grinsen...was das wohl zu bedeuten hat???

Ich werde derweil in die Obhut von Oliver Fischer, Chef de Rang im Hause Stemberg, übergeben und folge ihm in den Wintergarten, wo ich am mittleren der fünf Tische am Fenster Platz nehme. Der Wintergarten und das benachbarte Kaminzimmer bilden zusammen eine wunderbare Mischung aus Tradition und Moderne - viel braunes Holz gepaart mit weißen Wänden, klassische Lampen gepaart mit modernen Leuchtern dazu frische Blumen und passenden Farbklekse, wodurch im gesamten Restaurant eine tolle Wohlfühlatmosphäre herrscht, die zum verweilen einlädt.


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Das Publikum ist übrigens kunterbunt gemischt: An Tisch 1 vor mir sitzen ein Großvater mit seiner Enkelin im oberen Teenie-Alter, die ganz bodenständig Schnitzel und Kalbsbries essen und dazu Wasser und Cola trinken. An Tisch 2 vor mir sitzen ein Mann und eine Frau im gehobenen Business-Outfit, die hier zum Geschäftsessen verabredet sind und zwei Tagesgerichte bestellen. An Tisch 1 hinter mir sitzt ein Pärchen in den 60ern, die jeden Mittag zum Essen hierher kommen. Und an Tisch 2 hinter mir sitzen zwei italienische Geschäftspartner, die sich in ihrer Muttersprache unterhalten und von denen einer mehrfach betont, vom Essen begeistert zu sein.

Eine tolle Mischung, woraus aber relativ schnell klar wird, dass es sich beim Haus Stemberg nicht um einen der "typischen Sternetempel" handelt. An dieser Stelle sei nochmals kurz erwähnt, dass der Guide Michelin seine Sterne ausschließlich für das Essen vergibt und dies nichts mit der Ausstattung und dem Ambiente des Restaurants zu tun hat. Ein Sternerestaurant ist also nicht automatisch eine "stocksteife chicki-micki Bude", wie es sich wohl die meisten vorstellen. Nur mal so am Rande.

Aber jetzt geht es um das Essen, denn dazu bin ich ja hier. Also starten wir mit einem Menü, das mich, so viel sei schon verraten, schwer beeindrucken wird.

Los geht's mit "Dreierlei vom BIO-Brot" das von einer gesalzenen Nußbutter und Frischkäse mit Dill & Zitrone begleitet wird. Dazu wird mir ein alkoholfreier Aperitif namens PriSecco als Stemberg Selection empfohlen, der aus Apfel, Birne und Eichenlaub erzeugt wird und ein tolles Spiel aus Süße und Säure mit sich bringt.



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Weiter geht es mit einem ersten Gruß aus der Küche, der sich mehr als sehen lassen kann und andernorts als Vorspeise oder Löffelmenü verkauft wird: Kalbstafelspitz, gebeizter Saibling mit Gurke und Radieschen, Tatar vom Kingfisch mit Wasabi und Avocado und Gazpacho mit Basilikum. Vier herrliche Komponenten die sowohl einzeln, als auch gemeinsam ganz groß sind!



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Als erster Gang folgt der "Ikarimi Lachs" mit Staudenselleriesud, Yuzu, eingelegtem Kohlrabi, Sesam, Kräutern und Miso. Der Lachs wurde hierbei nur kurz angeflämmt und kommt wunderbar aromatisch und butterzart daher. Dazu gibt es "Stemmi's Liebling" mit Namen "Nachschlag" ins Glas - ein erfrischender Weißer der sehr gut zum Fisch passt.


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Bevor es mit dem zweiten Gang weiterging wurde ein weiterer Gruß von Sascha aus der Küche in Form eines Hummersüppchen gereicht, für welches allein sich die Anreise schon gelohnt hat. Hervorragend!



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Der zweite Gang folgt in Form von "Königsmatjes" als Auszug aus dem Regional-Menü, welcher von Apfel, Meerrettich, Pumpernickel, Remoulade und Radieschen begleitet wird. Hier herrscht ein wunderbares Verhältnis von Säure und Süße, wobei der Matjes ganz fein und ausgewogen daher kommt ohne zu "fischig" zu schmecken. Super!



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Eine geflämmte rote Salzwassergarnele bildet den Hauptakteur im vierten Gang und harmoniert sehr schön zur glasierten Karotte Curry, Haselnuss und Grapefruit. Auch eine super gelungene Kombination, wobei mir die Säure der Grapefruit etwas zu krass ist, was aber keine Kritik sondern Geschmackssache ist. Dazu gab es übrigens einen weißen Burgunder, wieder als Stemberg Selection.



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Als fünfter Gang folgte der dänische Seehecht mit Muscheln, Safransud, Artischocken und Bohnen - eine fantastische Gesamtkomposition wie sich herausstellt!



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Im Anschluss wieder ein Gruß von Sascha: Steinpilzcreme mit Zitrone...WOW!



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Weiter ging es mit einem "Milchkalbsbries" mit Saubohne, Pfifferlingen, Knollensellerie und Pfifferlingsdashi. Das Bries war hierbei von großartiger Qualität und harmonierte sehr schön mit den Pfifferlingen.



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Als kleine Erfrischung und zum neutralisieren folgte "Gurke & Amalfi Zitrone" - wieder sehr toll kombiniert.



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Anschließend hatte das "Wagyu Short Rib von Jack's Creek" seinen großen Auftritt, welches gegrillt und begleitet von Ceasar's Salad, geräucherter Zwiebel, Parmesancreme und Ofenkartoffelstampf daherkam. Als kleines i-Tüpfelchen wurde noch ein Stück von der selbstgemachten Blutwurst beigelegt. Ein grandioses Hauptgericht, wozu ein 2011er Spätburgunder aus der Stemberg Selection gereicht wurde.



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Den krönen Abschluss bildeten der "Käse" vom Brett mit einer großen Auswahl an feinsten "Stinkern & Nicht-Stinkern", die süße Kreation "Schwarzwald", welche nicht nur geschmacklich sondern auch optisch ein Leckerbissen war, ein Erdbeer-Mäusespeck, ein Gelee von exotischen Früchten und ein Zwetschgen-Crumble. Wahnsinn!



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Jetzt, nachdem Sascha mir nach dem Motto "Mach mir einfach was Du willst!" quasi fast alle Gerichte, welche die beiden Menüs zu bieten haben, auf den Teller gebracht hat wird mir auch klar was das breite Grinsen auf Sascha's Gesicht zu bedeuten hatte ;-)

Mein Fazit: Die vierte und fünfte Generation im Haus Stemberg verstehen es perfekt Tradition und Moderne zu verbinden, sowohl auf den Tellern, als auch im Restaurant selber. Das Menü, welches vom Küchenchef leicht erweitert wurde und welches ich genießen dürfte, gehört definitiv in meine diesjährige TOP 5. Neben dem Küchenchef gehört aber auch dem Service, allen voran Oliver Fischer und Annette Skop, ein großes Kompliment ausgesprochen, denn sie haben nicht nur einen exzellenten Job gemacht und mir jeden Wunsch und Sonderwunsch erfüllt, sondern sie haben mir die ganze Zeit das Gefühl gegeben bei Freunden zu sein. Vielen Dank an das gesamte Team!



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Am Ende bin es dann ICH, der mit einem freudigen, vielleicht auch einem sehr freudigen Grinsen den Gastraum verlässt - aber ich komme wieder, definitiv...



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KONTAKT
Haus Stemberg
Kuhlendahler Straße 295
42553 Velbert-Neviges
Tel.: 02053 5649


ÖFFNUNGSZEITEN
Sa. bis Mi.: 12.00 - 15.00 Uhr und 18.00 - 23.00 Uhr
Do. und Fr.: geschlossen


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