Vendôme

Könige für einen Tag!
 Unvergesslich, herausragend, einzigartig



SP
Bericht: Sascha Perrone  |  Fotos: Sascha Perrone
- 29.01.2018 -


Wenn man als essensbegeisterter Düsseldorfer einmal die kulinarische Champions League erleben möchte, hat man richtig großes Glück. Denn orientiert man sich am Guide Michelin, dem wohl bekanntesten Restaurantführer in unseren Breitengraden, gibt es lediglich 10 Restaurants in ganz Deutschland, die das Prädikat 3 Sterne verdienen und somit, ganz gleich woher man kommt, eine eigene Reise wert sind. Wir müssen da gar nicht allzu weit reisen, denn mit dem in Bergisch Gladbach beheimateten Restaurant Vendôme, haben wir einen dieser "Dreisterner" quasi gleich vor der Haustür.

Und nicht nur durch den Guide Michelin eilt dem Vendôme und seinem Küchenchef Joachim Wissler ein exzellenter Ruf voraus, denn auch in allen anderen erdenklichen und namenhaften Restaurantführern ist das Vendôme mit der Höchstnote ausgezeichnet: 10 Pfannen im Gusto, 5F im Feinschmecker, 5 Kochlöffel im SchlememrAtlas und 19,5 von 20 Punkten im Gault&Millau, was für ein deutsches Restaurant die Höchstnote ist, denn die arroganten Franzosen dieses, meines erachtens völlig überteuerten, Gastroführers sind ja der Meinung, dass eine Bewertung mit 20 Punkten lediglich Restaurants in Frankreich zusteht. Willkommen im 21. Jahrhundert lieber G&M - aber das nur am Rande.

Auch in der Liste der "50 besten Restaurants der Welt" ist das Vendôme auf Rang 47 platziert und somit lediglich eines von zwei deutschen Restaurants in diesem Ranking, denn außer dem Vendôme ist nur noch Tim Raue mit seinem Restaurant Tim Raue auf Rang 48 vertreten. Wie repräsentativ und sinnvoll eine solche Liste ist sei jetzt mal dahingestellt. Auf jeden Fall sorgen die vertretenen Restaurants weltweit für ein solches Aufsehen, dass sie, wie auch immer sie platziert sind, sicherlich zu den besten der besten zählen.

Ich denke schon allein eine der aufgezählten Bewertungen ist Anlass genug, eine Reise nach Bergisch Gladbach zu machen. Alle zusammen sind schon beinahe verpflichtend, vor allem wenn man kulinarisch interessiert ist. Und so begann im Dezember meine Reisevorbereitung mit einer Reservierung im Vendôme für einen Mittwochabend im Januar, den ich vergangene Woche, in kulinarisch kompetenter Begleitung, erleben durfte.

Es war mein erster Besuch des Vendôme und so viel möchte ich an dieser Stelle schon vorausschicken: Es hat mich von der ersten bis zur letzten Minute absolut umgehauen und nachhaltig begeistert! Ich möchte hier nun aber nicht anfangen die einzelnen Gerichte detailgetreu zu beschreiben oder gar zu "bewerten", denn ich kann mit meinem kulinarischen Verständnis wahrscheinlich nicht mal ansatzweise nachvollziehen, was genau in Joachim Wisslers Kopf vorging, als er diese Gerichte kreiert hat. Darum verschone ich euch mit Konsistenzen, Qualitäten, aromatischen Zusammenspielen und Co., denn das ist nicht meine Liga und das können andere viel, viel besser. Wen so etwas interessiert, der sollte beispielsweise mal bei Julien Walter und seiner kulinarischen Reise um die Welt auf www.troisetoiles.de vorbeischauen.

Ich möchte euch auch nicht, wie die ganzen High-Quality-Premium-Blogger (ach nein, sorry, die heißen ja nicht mehr Blogger sondern Influencer) die 150 Standardmails an alle namenhaften Restaurants der Republik mit der Bitte um einen Gratisabend versenden, durch selbstdarstellerische Fotos, mit dem Kopf bis Anschlag im Arsch des Küchenchefs, langweilen. Wer sich das reinziehen will, der soll einfach mal bei Instagram schauen, da findet man reichlich davon.

Ich möchte einfach nur versuchen, euch meinen persönlichen Eindrücke zu beschreiben, sofern dies überhaupt möglich ist, denn dieses Erlebnis kann man eigentlich nicht beschreiben, das muss man selber erleben.

Den ersten kleinen Wow-Effekt erlebten wir bereits, als wir in Bensberg die Türme des Schlosses erblickten und wussten, dass Ziel ist nun zum greifen nah, denn das Vendôme gehört zum Althoff Grandhotel in eben jenem Schloss Bensberg. Der erste große Wow-Effekt folgte dann nur wenige Augenblicke später, als wir durch das Eingangstor hinauf zum Schloss schlenderten, welches am Abend in wunderschönem Licht erstrahlt und bereits auf den ersten Blick erahnen lässt, dass hier gleich großes passieren könnte.


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Das Vendôme selbst liegt in einem frei stehenden Nebengebäude, welches man beim ersten Besuch und noch dazu bei Dunkelheit leicht übersehen kann. Gerade weil das Schloss selbst eine magische Anziehungskraft zu haben scheint. Die drei Michelinsterne weisen uns dann aber doch die Richtung und wir betreten voller Spannung und Vorfreude das Vendôme.


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Dies ist der Zeitpunkt, ab dem man sich wie ein König fühlen und TOP Service "at its best" genießen darf. Wir werden gleich an der Tür in Empfang genommen, von Mantel und überflüssigem "Gepäck" befreit und ins Restaurant geleitet, wo Joachim Wissler und vier Mitarbeiter aus dem Service uns begrüßen und uns unseren Tisch zuweisen. Hier warten schon zwei weitere Mitarbeiter, die für uns den Stuhl zurecht rücken bzw. "zurechtdrehen", nachdem wir Platz genommen haben. Wenige Augenblicke später kommt schon der nächste freundliche Herr, der mit uns das Wasser, den Aperitif, das Menü und die Weinoptionen bespricht, welche wir uns in Ruhe durch den Kopf gehen lassen dürfen, während die weiteren Vorbereitungen getroffen werden.

Als Menü gibt es unter der Woche derzeit den "Status Quo", welcher neben dem kulinarischen Auftakt und dem süßen Abschluss weitere fünf Gänge umfasst, wobei jeweils zwei Gerichte zur Auswahl stehen. Die Wahl fällt uns hier wirklich richtig schwer, denn jedes Gericht klingt einfach nur geil.

Die passende Lösung unterbreitet uns kurz darauf Sommelier Marco Franzelin, der von sich aus vorschlägt, dass jeder von uns pro Gang eines der beiden Gerichte bekommt und wir dann am Tisch untereinander probieren und tauschen können. Entsprechend dazu bekommen wir dann natürlich auch die jeweils passenden Weine. Perfekt! So machen wir es!

So viel zu dem Thema es wäre in solchen Restaurants alles immer so stocksteif und es gibt die rote Karte wegen Tellertausch und der ganze Blödsinn.

Bis es richtig losgeht nutze ich die Gelegenheit und lasse das Restaurant in Ruhe auf mich wirken. Wir sind anfangs die einzigen Gäste, von daher kann ich ungeniert einen 360° Blick riskieren. Die Einrichtung wirkt sehr geschmackvoll und ist wie ich finde perfekt zwischen klassischer Eleganz und modernen Elementen ausgewogen. Warme Brauntöne tauchen facettenreich und kombiniert mit einem angenehmen Lichtkonzept den Raum in eine entspannte Wohlfühlatmosphäre. Die Tische sind ganz schlicht eingedeckt, so dass, bis auf ein kleines Blümchen, nichts von dem ablenken soll, was wir nun erleben durften.


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Wie gesagt, ich liefere euch nur die Bilder, detaillierte Beschreibungen lasse ich weg. Auf den Punkt gebracht kann man eh jeden Gang mit "herausragend" und "einzigartig" beschreiben. Die Qualität der Bilder müsst ihr bitte entschuldigen, aber ich habe mich nicht getraut zu fragen, ob ich mit Licht, Stativ und Fotoequipment anrücken darf...von daher gibt es nur normale Live-Bilder am Tisch ;-)


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AUFTAKT

Toffee von karamellisierter Halsenuss


Kurbisschaum & Cana de lomo

Schwäbisches Sülzkotelett & gebackene Katoffelchips

Tapioka Crouton & gepickelte Pilze



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GÄNSELEBERWAFFEL "C6"

grüner Apfel | Getreidemilchcrème | soufflierte Rosinen


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CONFIERTER LABEL ROUGE LACHS

zweierlei Bete | Maracuja | Meerrettich | Kresse



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LANGOUSTINE "SZEGEDINER FLAVOUR"

eingelegter Spitzkohl | Pancetta | Piment-Ananas



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CARABINERO IN DILL-KOKOSNAGE

Duftreisblini | Karotte & Ingwer



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WINTERKABELJAU "GRENOBLE"

Petersilienwurzel-Encornetsalat | Topinambur



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FELSENROTBARBE & SEEIGEL

Süßzitronen | Romesco | Artischocken



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CHALANS ENTE MIT FENCHELKROKANT

asiatische Rübchen | Erdnusscrème | Iyokan-Zitrusgelee



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HASENRÜCKEN & PFEFFER

Pistazienpesto | Pomelokaviar | Rosenkohl-Räucheraalcrème



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WILLIAMS CHRIST BIRNE & SÜSSE WACHSBOHNEN

Joghurt-Cassissorbet



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WINTERLICHE IMPRESSIONEN "VENDOME"


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SÜSSER ABSCHLUSS

Liebesapfel

Macaron (Popcorn & Schokolade)

Magnum (Vanille & Blaubeere)

Luftschokolade (gebrannte Mandel)



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Das war's! Ein unvergesslicher kulinarischer Einblick in den Küchenstil eines der besten Köche unseres Landes. Korrespondierend dazu eine Weinbegleitung die unglaublich viele Überaschungen und Highlights bereit hielt. Abgerundet wird das Ganze durch einen Service auf TOP Niveau, wie ich persönlich ihn bisher noch nicht erlebt habe.

Der gesamte Aufwand der hier betrieben wird ist wirklich unglaublich hoch. Acht Mitarbeiter haben wir dazu im Service gezählt und sogar zwölf in der Küche. Und das Ganze zu einem Preis, der wirklich ein Scherz ist für das, was hier geboten wird. Wir haben 18 Gerichte gegessen, 12 Weine getrunken und inklusive Wasser und Kaffee knapp 260 EUR pro Person bezahlt. Ein Geschenk.



Mein Fazit: Wer Spaß an Sterneküche hat kommt um einen Besuch im Vendôme nicht herum. Ich komme definitv wieder...ganz bald!


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VENDÔME
Grandhotel Schloss Bensberg
Kadettenstr. 2
51429 Bergisch Gladbach
Tel: 0 22 04 - 42 906

Mi. bis Fr.: 19.00 - 22.00 Uhr
Sa. und So.: 12.00 - 14.00 und 19.00 - 21.00 Uhr
Mo. und Di.: geschlossen


Guide Michelin: 3 Sterne
Gusto: 10 Pfannen
Feischmecker: 5 F
Gault & Millau: 19,5
World's 50 Best Restaurants: Platz 47


>> TISCH RESERVIEREN <<

www.schlossbensberg.com/de/restaurant-vendome