Weinberichte No.1

Grob überschlagen finden für mich pro Jahr ca. 300 Restaurantbesuche statt. Dabei kommen nicht nur jede Menge Teller auf den Tisch, sondern mindestens auch die gleich Zahl an Gläsern, welche in der Regel einen korrespondierenden Wein enthalten.

Beim Thema Wein mache ich für mich aber keine Wissenschaft draus; ich trinke ,was mir schmeckt und verlasse ich bei persönlichen Neuentdeckungen in der Regel auf die Profis.

Mit zweien dieser Profis habe ich mich in der vergangenen Woche getroffen, um den Grundstein für meine neue Serie "WeinBerichte" zu legen, mit der ich mir und euch künftig Einblicke und Empfehlungen in die wunderbare Welt der Weine geben möchte.




Michelangelo Saitta und Anke Brandes


Heute steht das Thema Italien auf dem Programm und dazu besuche ich einen der, wenn nicht den besten italienischen Weinkeller der Stadt, der mit mehr als 1000 verschiedenen Weinen prall gefüllt unter dem Saittavini in Oberkassel zu finden ist.

Verantwortlich für dieses vinophile Schlaraffenland ist Michelangelo Saitta der gemeinsam mit Italowein-Expertin Anke Brandes sechs Weine (drei weiße und rei rote) aus seinem Sortiment für eine gemeinsam Verkostung ausgesucht hat.

Die Weine sind natürlich alle im Saittavini zum Kauf oder trinken im Restaurant erhältlich, können aber auch online bei den gängigen "Dealern" bezogen werden. Also dann ab in den Norden Italiens.





Weisswein #1

2019 Gavi di Gavi DOCG „La Meirana“
Bruno Broglia, Piemont

12,95 EUR /Fl. 0,75 l - Angebot Oktober 10,50 EUR

WEINGUT & WEIN
Bruno Broglia kaufte die Villa La Meirana 1972 und ließ sie komplett von einem Architekten umbauen. Bruno selber war Textilunternehmer und ein sehr erfolgreicher dazu. Dieser Umbau war 1974 abgeschlossen und er verpachtete das Anwesen an seinen Sohn Piero, zur gleichen Zeit erhielt der Gavi den DOCG-Status. Piero konzentrierte sich auf den damals noch in Deutschland unbekannten Weißwein. 1983 wurde eine neue Kellerei erbaut, die die Kapazitäten schaffte, die inzwischen benötigt wurden um die nun stark wachsende Nachfrage bedienen zu können. Der Gavi ist auch heute der wichtigste Wein des Weingutes, die Cortese Traube nimmt den größten Teil der Rebfläche ein. La Meirana ist für die Familie der typische Gavi und trägt daher den Namen des Landsitzes. Der Most durchlebt eine temperaturkontrollierte Gärung zwischen 12-16° C im Edelstahl. So bleiben die typischen frischen Aromen der Cortese – Traube erhalten.

VERKOSTUNGSNOTIZ
Der Gavi ist frisch und klar in der Nase, Aromen von Zitrusfrüchten, grünem Apfel und Jasminblüten lassen uns das Wasser im Mund zusammenlaufen. Er kommt auch frisch am Gaumen an, ist lebhaft und ohne Bitternoten. Am Ende hinterläßt er einen leicht rauchigen Abgang, der so typisch für Cortese ist.

PASST ZU
Als Aperitif, als Wein beim Kochen oder zu frischen und leichten Gerichten wie Salat, pochierter Lachs oder mariniertes Gemüse

Vorher öffnen: Nein
Trinktemperatur: 7-8°C
Alkohol: 12.50% vol.
Säure: 5.18 g/l
Restzucker: 4 g/l

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Weisswein #2

2019 Timorasso Colli Tortonesi DOC
La Spinetta, Piemont

19,95 EUR/Fl. 0,75 l

WEINGUT & WEIN
Mittig zwischen den beiden berühmten Städten Asti und Alba liegt das Weingut La Spinetta. Erst 1977 haben Giuseppe und Lidia Rivetti die Weinberge erworben, jedoch mit dem einen großen Ziel: dort herausragende Weine entstehen zu lassen. Bereit 1 Jahr später präsentierten sie ihren ersten Moscato d’Asti der aus einer Einzellage selektioniert wurde, sie wurden Vorreiter für die ganze Region. Nicht viel später folgten die ersten Rotweine, Barbera und Barbaresco und als sich 2000 die Möglichkeit ergab, 8 ha in der Barolo-Region zu erwerben, griff Giuseppe zu. Dann, in 2001, kam noch ein 65ha großes Weingut in der Toskana hinzu, La Spinetta Casanova und 2011 das Spumante-Haus Contratto in Canelli. Heute leiten die Brüder Carlo, Bruno und Giorgio die Weingüter und das mit großem Erfolg! Sie legen großen Wert auf Originität und konzentrieren sich daher auf regionale Rebsorten. Der Fokus liegt auf Barbera, Dolcetto, Nebbiolo und Moscato im Piemont und auf Sangiovese, Colorino und Vermentino in der Toskana. Jedes Jahr erhalten die Weine hervorragende Bewertungen, nicht nur von professionellen Verkostern, sondern auch von den Genießern.

Timorasso ist eine alte autochthone piemontesische Rebsorte, die eher selten anzufinden ist und ihre besten Qualitäten in der süd-östlichen Ecke des Piemont bringt, in der Colli Tortonesi. Charakteristisch für diese Rebsorte ist eine hohe Mineralität.

VERKOSTUNGSNOTIZ
Wenn man ins Glas riecht, hat man direkt das Gefühl in den Bergen vor einem Jausebrett zu sitzen, so spielt die Mineralität mit Speckaromen und Gesteinsnoten. Gleich darauf kommen Fruchtaromen von Quitte, Limone, etwas Aprikose und Mandel dazu.
Der erste Schluck kam einer Explosion von Honig im Mund gleich, lediglich ohne die Süße. Gleich im Anschluss gesellt sich eine feine Bitternote dazu, die dem Weine eine schöne Spannung gibt. Der mittelschwere Wein hat leichte Räuchernoten im Abgang.

PASST ZU
überbackenen Cannelloni, Wachteln, Kaninchen oder auch einem Vitello tonnato.

Vorher öffnen: eine Stunde
Trinktemperatur: 8-10°C
Alkohol: 13.00% vol.

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Weisswein #3

2019 Sauvignon blanc „Ronco delle Mele“ Collio DOC
Venica & Venica, Friaul

34,95 EUR/Fl. 0,75 l

WEINGUT & WEIN
1930 - Daniele Venica, der Gründer und Stammvater der Familie, erwarb am 6. Februar 1930 die ersten Grundstücke und das heutige Hauptgebäude des Weinguts im Ortsteil Cerò bei Dolegna del Collio: 10 Hektar Weinberge, Obstgärten und Ackerland, darunter das Bauernhaus mit angeschlossener Scheune und Stall.
2020 – Die Familie Venica feiert in diesem Jahr ihr 90-jährige Bestehen, im Mittelpunkt dabei jeder einzelne ihrer Weinberge. Venica & Venica besitzt heute 90 Hektar an Landfläche, davon 40 Hektar an Weinbergen, 42,5 Hektar an Waldflächen, der verbleibende Teil verteilt sich auf das Weingut, verschiedensten Gebäuden, dem Weinresort und seiner Parkanlage.

Das Anwesen, gelegen im äußersten Nordosten der italienischen Region Friaul-Julisch Venetien, erstreckt sich auf verschiedenen Hügeln des renommierten Collio – Weinanbaugebiets. Die als „Ponka“ bekannten Böden des Collio bestehen aus geschichtetem Mergel und Sandstein eozäner Herkunft. Jeder einzelne dieser Weinberge weist durch seine besondere Lage jeweils ein eigenes Mikroklima auf, welches den Venica – Weinen eine unglaubliche Komplexität verleiht.

Dieser Sauvignon-Wein hat seinen faszinierenden und eindrucksvollen Namen vom gleichnamigen Weinberg, von dem seine besonderen Trauben stammen.
Der kleine Hügel hat eine wunderbare Geschichte zu erzählen: Während des Ersten Weltkriegs wurde der Weinberg von den Österreichern bombardiert, was einen leichten Erdrutsch des Abhangs verursachte. Als der Gründer Daniele Venica, 1930 das Anwesen erwarb, war es notwendig diesen Hang wieder herzustellen. Um das Erdreich zu sichern und gemäß der damals sehr verbreiteten Mischlandwirtschaft beschloss Daniele, einen Apfelhain im Einklang mit den bereits vorhandenen Weinreben zu pflanzen.

Die ersten Sauvignon R3-Reben wurden erst später, 1984, von Gianni und Giorgio Venica gepflanzt. Nachdem sie über Jahre hinweg sorgfältig die Boden- und Klimaverhältnisse des Cerò-Hügels studiert hatten, stand für sie fest, dass die Nordwestausrichtung ideal war, um intensiv aromatische Weine zu erhalten. So entstand das „Ronco delle Mele-Projekt“, welches in den folgenden Jahren kontinuierlich weiterentwickelt wurde. Im Jahre 1995 dann die Produktion des ersten Jahrgangs, welcher sofort einige der wichtigsten Auszeichnungen der italienischen Weinführer erhielt.

Der Sauvignon-Weinberg Ronco delle Mele befindet sich im DOC Collio-Gebiet. Ausgerichtet auf die Julischen Alpen bietet er einen einmaligen Blick auf den Canin-Gletscher und hat eine maximale Höhe von etwa 150 m über dem Meeresspiegel.
Trotz der begrenzten Ausdehnung von etwa zwei Hektar ist es notwendig, die Weinlese zu unterschiedlichen Zeiten durchzuführen. Dieses Phänomen wird bedingt durch verschiedene Mikroklimas, nahe gelegene Wälder, unterschiedliche Sonneneinstrahlung und die aus dem Norden stammenden leichten Winde.

VERKOSTUNGSNOTIZ
Der Ronco delle Mele betört beim Hineinriechen mit Aromen von Nektarinen, schwarzen Johannisbeeren und einer Sommerwiese. Am Rande klingen etwas rauchige Aromen und eine leichte Meeresbrise spielt auch mit. Beim Probieren hat er uns sofort für sich eingenommen: er kommt mit einem unglaublich schönen Schmelz an den Gaumen, der Wein ist vollmundig, doch die Mineralität gibt den nötigen Grip. Die Spannung bleibt im Glas und wir probieren noch einen Schluck und noch einen….es macht einfach Spaß!

PASST ZU
Dieser Sauvignon blanc darf ruhig wirklich großartige Gerichte begleiten: Bouillabaisse, Kaisergranat, aber auch Kalbsfilet, Wolfsbarsch.

Vorher öffnen: nein
Trinktemperatur: 8-10°C
Alkohol: 13.5% vol.

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Rotwein #1

2017 Langhe Nebbiolo DOC
Pelissero, Piemont

15,95 EUR/Fl. 0,75 – Angebot Oktober 14,50 EUR

WEINGUT & WEIN
42 ha, 250.000 Flaschen, fast ausschließlich piemontesische Rebsorten und ausschließlich eigene Trauben in der Vinifikation. Das sind die Fakten rund um das Weingut Pelissero. Aufgewachsen im Piemont, identifiziert sich Giorgio mit seiner Heimat. Er spürt das Land, das Klima und seine Rebstöcke und möchte all diese Emotionen in eine Flasche bringen und sie mit Ihnen teilen. Das Weingut liegt in Treiso, einer Stadt im Herzen des Barbaresco-Gebietes. Barbaresco ist unweigerlich mit Nebbiolo verknüpft, der Königstraube des Piemont. Aus ihr entstehen Weine mit unglaublicher Kraft aber auch Finesse, die mit den typischen Tanninen viele Jahre reifen können. Giorgio Pelissero füllt 3 Barbareschi aus den Lagen Vanotu, Nubiola und Tulin, die bereits in jungen Jahren ein großes Trinkvergnügen bieten. Giorgio versteht es, den Nebbiolo so zu öffnen, dass wir nicht erst 10 Jahre Geduld haben müssen, um seinen Wein wirklich genießen zu können!

Der Nebbiolo wird von den Rebstöcken gelesen, die nach Meinung von Giorgio noch zu jung sind, um Trauben für die Barbareschi zu liefern. So kommen wir in den Genuss einen jungen und schon zugänglichen Nebbiolo aus seinen besten Lagen trinken zu können. Um die Frische des Weins zu erhalten und einen zugänglichen Nebbiolo zu erhalten, findet nur eine kurze Mazeration statt. Anschließend werden 8-9 Monate 20-30% des Weins in Barriques und der Rest in großen Fuderfässern gereift.

VERKOSTUNGSNOTIZ
Sofort erscheint der Gedanken an ein Rindertartar im Kopf, so fleischig ist die erste Nase. Doch gleich darauf kommen Aromen von reifer Süßkirsche, weißem Trüffel und Schokolade dazu. Am Gaumen spüren wir Spannung, die Tannine sind kraftvoll, aber die gut eingebundene Säure bringt wieder Schwung auf die Zunge. Ein jugendlicher Kraftprotz!

PASST ZU
Geflügel, Rind, Kalb, Käse

Vorher öffnen: eine Stunde im Decanter
Trinktemperatur: 16°C
Alkohol: 14.5% vol.

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Rotwein #2

2016 San Germano Piemonte Pinot Nero DOC
Marchesi Alfieri, Piemont

24,95 EUR/Fl. 0,75 l

WEINGUT & WEIN
Das Schloss der Familie Alfieri, das auch heute noch Familiensitz und Weingut ist, wird bereits seit 1616 von der Familie bewohnt und gepflegt. Heute wird das Weingut von 3 Frauen geleitet: Emanuela, Antonella and Giovanna. In den Weinbergen herrscht die Rebsorte Barbera vor, von der sowohl ein frischer, jugendlicher Wein hergestellt wird, als auch ein kraftvoller, tiefgründiger, der Alfiera. Eine Besonderheit des Weingutes ist der reinsortige Pinot Nero San Germano.
Elegant, weich und vielschichtig präsentiert er sich uns im Glas. Der Most von den handgelesenen Trauben durchlebt eine Mazeration und Gärung bei 28° C für 10-12 Tage. Anschließend reift der reinsortige Pinot Noir für 1 Jahr im 500 l – Fass aus französischer Eiche. Der San Germano wird nur in für Pinot Noir guten Jahren produziert und es gibt nur 5000 – 6000 Flaschen.

VERKOSTUNGSNOTIZ
Der San Germano hinterläßt einen warmen Eindruck in der Nase. Aromen von Kaffee, getrockneten Kräutern, Kamilleblüte und Cranberries lassen mich sofort entspannen. Dann bringen sich Aromen von Limettenblättern und grünem Tee mit ein. Gespannt testen wir den ersten Schluck und das Erlebnis wiederholt sich. Weich und samtig liegt er im Mund, die Tannine sehr fein und elegant, die Säure dezent im Hintergrund. Ein voller Körper, nicht zu aufdringlich, dennoch bleibt er lange am Gaumen.

PASST ZU
Kräftige Gerichte, Rinderoulade, Gulasch, Rehrücken, Fasan

Vorher öffnen: nein
Trinktemperatur: 16-18°C
Alkohol: 14.0% vol.

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Rotwein #3

2016 Barolo DOCG „Lecinquevigne“
Damilano, Piemont

42,95 EUR/Fl. 0,75 l

WEINGUT & WEIN
Das Weingut Damilano hat sich ohne Zweifel auf die Herstellung von Barolo konzentriert und die Spitze dieser Selektion stellt der Barolo aus dem Weinberg Cannubi dar. Cannubi wird bereits 1752 erstmals auf einem Weinetikett erwähnt. Doch Tradition behindert nicht Innovation. Damilano hat den Weinkeller mit neuster Technik ausgestattet um die Weine so schonend wie möglich zu keltern.
Der Barolo „Lecinquevigne“ ist eine Assemblage von 5 verschiedenen Rebbergen in den Gemeinden Barolo, Monforte und Grinzane Cavour mit insgesamt 10 ha Rebfläche. Nach einer langen Mazeration wird der Barolo in großen Fuderfässern (50 bis 100 hl) für ca. 24 Monate gereift.

VERKOSTUNGSNOTIZ
Gleich zu beginn strömt ein Duft von Vanille in die Nase, doch dieser wird dann sogleich von Kirschblüte, Auberginenkompott und Thymian begleitet. In Erwartung eines sehr jungen Nebbiolo probieren wir den Wein. Er überrascht mit einem leichten, frischen Start, nach dem dann sofort die Aromen wieder mitspielen. Die Tannine sind sehr fein, sehr elegant, der Körper ist vielschichtig, doch durch die belebende Mineralität wirkt der Wein nicht zu fett. Er bleibt noch lange am Gaumen und man freut sich auf den nächsten Schluck.

PASST ZU
Roastbeef, Kalbskotelette oder auch einer gegrillten Seezunge

Vorher öffnen: 2 - 3 Stunden
Trinktemperatur: 18°C
Alkohol: 14.0% vol.


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