Gustav

Küchenchef: Jochim Busch | Küchenstil: Deutsch

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Bisher waren die kulinarischen Erfahrungen die ich im Rahmen meiner diesjährigen Best-of-the-West-Tour nach Frankfurt gesammelt nicht gerade überwältigend. Die 230 Kilometer, die mein Navi an einem Freitagvormittag im März als Entfernung zum Ziel anzeigt, scheinen aber lohnenswert, denn heute geht’s ins Gustav und das wurde schließlich vor wenigen Tagen vom Guide Michelin von ein auf zwei Sterne aufgewertet.

Gut, dass ich die heutige Reservierung bereits Anfang Februar getätigt habe, denn oftmals ist es ja in den ersten Wochen nach einer solchen Auszeichnung erst mal schwierig, einen Platz zu ergattern.

Ein erster Schreck ereilt mich aber, als ich dann durchs Frankfurter Westend fahre und eine liebliche Frauenstimme behauptet „Sie haben ihr Ziel erreicht.“, denn ich  stehe mitten vor einer Dönerbude. Diese scheint auf den ersten Blick zwar Stil zu haben, aber ich habe mir doch etwas anderes erhofft. Zum Glück entdecke ich dann auf den dritten Blick noch das deutlich dezenter gehalten Gustav-Logo im Schaufenster daneben.

Nach einem kleinen Spaziergang vom Parkhaus betrete ich 15 Minuten später den neuen hessischen Zweisterner und staune nicht schlecht, denn so eine Bude hätte ich eher in Berlin erwartet und nicht hier, in der Nähe der Oper und am Fuße der Wolkenkratzer im Frankfurter Bankenviertel.

Das Ambiente ist extravagant. Formen und Farben im Bauhausstil treffen auf Werke junger Szenekünstler. Außerdem scheint entweder der Architekt oder der Chef  oder auch beide ein Faible für Pappe zu haben, denn sowohl an den Wänden finden sich Kunstwerke aus ebendiesen Material und auch die Speisekarte erinnert mich an die Rückseite meiner Zeichenblöcke aus der Schulzeit. Darauf wurde kurzerhand mit Wachsmalstift in Blau die derzeitigen Menüpreise gemalt, während die Speisen im Detail als Ausdruck mit Krepp-Klebeband daneben geklebt wurden.

Wobei wir beim Thema Essen angekommen wären. Leider steht das kleine oder große GUSTAV Menü, welches mir auf Nachfrage per Mail versprochen wurde, nicht zur Verfügung, weshalb ich mich mit einem Mittagsmenü begnügen muss. Ärgerlich, aber ich verbuche es als einen ersten kleinen Einblick in die Küche von Chefkoch Jochim Busch.

Dieser bekleidet seit 2015 den Chefposten im Gustav und wurde mit seiner Idee einer deutschen regionalen und saisonalen Avantgarde-Küche, also wie man heute so  schön sagt, einem neudeutschen Küchenstil, gleich nach einem Jahr mit einem Stern ausgezeichnet und vom Gault & Millau zur „Entdeckung des Jahres“ gekürt.

Auf dem Teller bedeutet dies eine klare und präzise Fokussierung auf einen Hauptakteur, der durch das Minimum an notwendigen Komponenten ergänzt wird, um das  maximale an Geschmack herauszuholen.

Inspiration

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