OPUS V

Küchenchef: Tristan Brandt | Küchenstil: International

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Der Abend im Restaurant von Tristan Brandt war als Highlight meiner Tour nach Mannheim geplant. Daraus geworden ist ein absolutes Highlight meiner gesamten Best-of-the-West-Reise.

Nachdem ich bei einem kleinen Verdauungsspaziergang durch die 144 Mannheimer Quadrate meinen wunderbaren Besuch des le Corange Revue passieren ließ, war ich wenige Stunden später wieder im Modehaus engelhorn Mode im Quadrat, denn es stand ja noch das Highlight des Tages auf dem Programm: ein Abend im OPUS V.

Auf diesen Besuch freute ich mich ganz besonders, denn ich hatte zwar in den letzten Jahren häufiger die Gelegenheit Gerichte von Senkrechtstarter Tristan Brandt auf diversen Events zu probieren und habe auch ein 4-Hands-Dinner mit ihm hinter den Kulissen begleitet, aber ein komplettes Menü aus seiner eigenen Küche mit  Heimvorteil ist natürlich noch mal etwas ganz anderes.
Außerdem zählt Tristan wohl unbestritten zu den besten Köchen des Landes und da ist die Pilgerfahrt nach Mannheim für einen Foodjunkie wie mich ein absolutes Muss.

Jetzt am Abend wähle ich nicht den Weg über die Rolltreppen durch das Epizentrum der Modelabels, sondern fahre mit dem separaten Aufzug am Seiteneingang direkt  hinauf in den sechsten Stock und stehe wieder vor der Urkundenwand.
Diesmal gehe ich aber nicht rechts herum ins le Corange, sondern links durch die gläserne, mit dem Schriftzug „OPUS V“ versehen Tür und schlendere durch den dunklen Gang, vorbei an gut gefüllten Weinschränken, bis zum Empfang des Restaurants. Auch hier prangern Auszeichnungen an der Wand, allerdings wiegen diese etwas schwerer, denn seit 2017 wird das OPUS V mit zwei Sternen im Guide Michelin geführt und auch alle anderen Guides bescheinigen höchsten Genuss mit ihrer jeweils hauseigenen Höchstnote; oder zumindest knapp daran.

Ich treffe bewusst 20 Minuten vor Opening ein, denn ich bin noch auf ein kleines Schwätzchen bei einem Gläschen Perligem mit Tristan verabredet, um ein wenig über den neuesten Klatsch und Tratsch aus der Gastroszene zu philosophieren und ihm vielleicht noch das ein oder andere Highlight zu entlocken, was für meine Leser  interessant sein könnte. Klappt natürlich nicht, da wir wie immer vom Hölzchen aufs Stöckchen kommen und bald schon die ersten Gäste an der Tür scharren. Aber es gibt auch so genug zu erzählen, denn der steile Aufstieg des 35-Jährigen, der sich selbst als Querdenker und Perfektionist beschreibt, ließt sich fast wie im Märchen. 

Nach Lehrjahren und Stationen bei Harald Wohlfahrt ***, Jean-Georges Klein ***, Christian Bau *** und Dieter Müller, kam 2013 das Angebot von Richard Engelhorn,  ein neues, zukunftweisendes, Restaurant nach seinen persönlichen Vorstellungen zu gestalten. Daraus entstand das OPUS V.

Mittlerweile ist Tristan Deutschlands jüngster Zwei-Sterne-Koch und verantwortet neun Gastronomien mit mehr als 130 Mitarbeitern. Ein rasanter Aufstieg, den man  getrost als zielstrebigen Weg zum Opus Magnum bezeichnen kann.

Nun sitze ich exklusiv, in einem kleinen Nebenraum, am ChefsTable und freue mich auf den Abend. Der Tisch ist, wie das ganze Restaurant, nordisch anmutend aus wunderbarem Holz gefertigt. Vor mir auf dem Tisch sind Teller, Brotteller, Serviette, und mit einem Schriftzug gelabeltes Besteck akkurat, aber schlicht eingedeckt. Ganz so, wie es das Konzept des casual fine dining vorsieht.

Als erstes gibt es ein warmes und wohlriechendes Tuch für die Hände. Eine Geste, die ich über die Maße schätze und wobei ich mich immer frage, wieso dies nicht in jedem Restaurant auf gehobenem Level gemacht wird.

Nachdem mich ein Gläschen Grand Siècle Laurent-Perrier als Aperitif erreicht kann es losgehen. Und am ChefsTable gibt es eine ganz besondere Ouvertüre, denn es macht kurz „Klick“ und die Wand vor mir öffnet sich wie ein Vorhang und gibt den Blick frei auf die Bühne, vor der ich nun in erster Reihe sitze und von der aus nun  Tristan Brandts Opus 5 Nr. 1/2020 angestimmt wird.

Und während ich die einzelnen, produktfokussierten und perfekt ausbalancierten Sätze dieses kulinarischen Konzerts in einer wunderbar lockeren, entspannten und persönlichen Atmosphäre genieße, bin ich mir sicher, dass dieser Abend ein Highlight meiner diesjährigen Tour werden wird, der nur ganz schwierig zu toppen ist.

Leider bin ich mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit der letzte Schreiberling, der sein Erlebnis bei Tristan Brandt im OPUS V zu Papier bringt, denn Tristan hat das Unternehmen Engelhorn am 30. Mai verlassen. Er ist somit der zweite mir bekannte Spitzenkoch, der im Zuge der Coronakrise sein Restaurant verlassen muss.

Ich wünsche Dir für die Zukunft alles erdenklich Gute lieber Tristan und freue mich jetzt schon darauf, dich an neuer Wirkungsstätte zu besuchen!

Inspiration

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