Purs

Küchenchef: Christian Eckardt | Küchenstil: International

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Wenn ich mir im Vorfeld ausmalen dürfte, wie ein perfekter Restaurantbesuch ablaufen müsste, dann kommt das, was ich hier erleben durfte, schon sehr, sehr nah an mein Phantasiegebilde heran.

Diese Reise nach Andernach werde ich so schnell nicht vergessen, denn sie war Teil einer großartigen kulinarischen Mission, die ich während der Planung meiner Best-of-the-West-Tour als Route abgesteckt hatte. „Elf Sterne in 55 Stunden“ galt es dafür zu besuchen. Ein ziemlich ambitionierter Plan, zu dessen Umsetzung an einem Freitag im Februar diesen Jahres, um Punkt 9:00 Uhr, der Startschuss fiel. Was in der Zeit von 9:01 bis 17:45 Uhr passierte, das erfahrt ihr in meinen Bericht über das schanz. restaurant.

Das Display in meinem Auto zeigte jedenfalls 17:46 Uhr an, als ich von der Autobahn runter und die letzten Kilometer am linken Ufer des Rheins entlang in Richtung Andernach fahre. Die Stadt im nördlichen Rheinland-Pfalz gehört zu den ältesten Städten unseres Landes, was etliche Sehenswürdigkeiten, an denen ich auf meinem Weg zum Hotel, vorbeifahre, als historische Zeitzeugen belegen.

Auch mein Spaziergang zum PURS, den ich bewusst noch ein wenig durch die kleinen Gässchen, die mich irgendwie an mein geliebtes Dörfchen in Kalabrien erinnern, verlängere, unterstreicht die hier allgegenwärtig vorherrschende geschichtsträchtige Atmosphäre.

Perfekt integriert in dieses Stadtbild, ist der aus dem Jahr 1677 stammende Gebäudekomplex, auf dessen Fundament das PURS Hotel und Restaurant, nach  aufwendigem Umbau, errichtet wurde. Rolf und Petra Doetsch, ein aus Andernach stammendes Ehepaar, welches nicht nur über das nötige Kleingeld, sondern auch über ganz viel Leidenschaft verfügt, setze dieses Projekt um und gönnt sich, neben dem Hotel, insgesamt gleich drei kulinarische Top Adressen im Umkreis von 250 Metern. Das PURS, das YOSO und das Ai Pero, wobei Ersteres mit Sicherheit das Juwel des Dreigespanns ist.

Und wenn ich mir im Vorfeld ausmalen dürfte, wie ein perfekter Restaurantbesuch ablaufen müsste, dann kommt das, was ich an diesem Abend im PURS erleben durfte, schon sehr, sehr nah an mein Phantasiegebilde heran. Restaurantleiter Maik Treis nimmt mich locker und freundlich in Empfang und hat für mich einen Platz auf einem  der gemütlichen Sofas in der Lobby vorbereitet. Hier heißt es, bei wunderbar entspannter Kaminfeuer-Atmosphäre, erst mal ankommen und den Alltag hinter sich lassen.
Und ich finde es großartig, in diesem Separee zunächst einen Aperitif zu genießen, dabei die Speisekarte zu studieren und in aller Ruhe individuell mein persönliches Menü zusammenzustellen.

Zur Auswahl stehen dabei jeweils drei Vorspeisen, Zwischengänge, Hauptspeisen und Desserts, die man als fünf bis sieben gängiges Menü kombinieren kann. Ganz am Ende, ohne damit schon zu viel zu verraten, gibt es einen Umschlag mit nach Hause, welcher das persönliche Menü mit ein paar begleitenden Zeilen als kleine  Erinnerung enthält.

Inspiriert werde ich bei der Speisewahl mittlerweile durch drei Grüße aus der Küche, die, gemeinsam mit einem duftenden warmen Tuch für die Hände, als Fingerfood serviert werden. Jeder der Grüße steht dabei für die Stilistik eines Restaurants des bereits angesprochenen kulinarischen Dreigestirns vom Familie Doetsch.

Neben der Speisekarte wird auch die, knapp 70 Seiten umfassende, Weinkarte gereicht, die nahezu alles bereit hält, was das Herz begehrt. Ich entdecke auf Anhieb einige Positionen, die mich sehr interessieren, aber ich verlasse mich heute Abend einfach auf Sommelier Marian Henß und bitte ihn um eine, auf mein Menü abgestimmte, Weinbegleitung. Dieser Bitte kommt er gerne nach.

Also dann, das Menü ist zusammengestellt, Wasser ist ohne Blubber gewählt, die Weine sind auch klar: Ich wäre somit hochmotiviert bereit für den Abend!

Dazu geht es auf den Spuren von Maik Treis in das eigentliche Restaurant. Dieses ist relativ schlicht eingerichtet. Die Wände sind rot und ein tolles Lichtkonzept legt den Focus stets auf das Wesentliche: die Teller. Auch hier herrscht eine sehr ruhige und entspannte Wohlfühlatmosphäre, was wieder einmal zeigt, dass der verantwortliche Designer Axel Vervoordt, zu den besten seiner Zunft zählt. Gleich ins Auge fällt die große, bodentiefverglaste und automatisch öffnende Schiebetür an der Stirnseite, die einen tollen Blick in die Küche ermöglicht. Das Finishen der Teller findet passenderweise in Richtung der Gäste statt, wodurch man Chef Christian  Eckhardt und seinem Team super auf die Finger schauen kann.

Was mir dabei den ganzen Abend über auffällt ist, dass Christian Eckhardt sich sehr zurückhält. Lediglich ab und zu bringt er ein paar Komponenten zur weiteren Verarbeitung nach vorne oder prüft hier und da ein Tellerchen am Pass. Aber ansonsten werkelt er ganz ruhig in seinem Bereich der Küche und überlässt die Show  seinem Team. Ganz besonders fällt mir dies deshalb auf, weil ich ganze drei Stunden erfolglos versucht habe ein Foto von Christian am Pass zu machen.

Dabei muss er sich doch gar nicht verstecken, schließlich gehört er doch zu den besten Köchen unseres Landes, was schon seine berufliche Vita auf beeindruckende Weise belegt: So hat er sich nach seiner Ausbildung im Hotel Bareiss seinen mehrjährigen Feinschliff bei Claus-Peter Lumpp im Restaurant Barreiss, bei Sven Elverfeld im Aqua und bei Andreas Caminada im Restaurant Schloss Schauenstein abgeholt, die alle mit drei Sternen im Guide Michelin ausgezeichnet sind. Danach wurde es Zeit selbst nach den Sternen zu greifen, was ihm auf Anhieb bei seiner ersten Station als Küchenchef im Restaurant Villa Rothschild gelang, wo seine Küche 2015 mit zwei  Sternen ausgezeichnet wurde. Und auch hier im PURS, wo Christian 2017 die kulinarische Leitung übernahm, gab es gleich im Jahr nach der Eröffnung die  Auszeichnung mit dem Doppel-Macaron.

Aber seine zurückhaltende Art steht Christian Eckhardt gut; er lässt lieber Taten auf den Tellern sprechen. Und das macht er, gemeinsam mit seinem hoch motivierten Team, auf exzellente Art und Weise, indem er Zutaten kombiniert, die scheinbar wenig verbindet, aber wodurch komplexe Gerichte in perfekter Harmonie entstehen.

Ein Resultat seht ihr oben im Bild und wie ihr wisst, lasse auch ich lieber Taten bzw. Bilder sprechen, weshalb ich euch das Menü optisch bei Facebook aufbereitet habe und jedem empfehlen würde, sich ein eigenes Geschmacksbild zu machen. Denn glaubt mir, es lohnt sich richtig!

Für mich war der Besuch des PURS als Gesamterlebnis auf jeden Fall eines der absolutes Highlights während meiner diesjährigen kulinarischen Reise.

Übrigens: Nach einem kleinen Wink mit dem Zaunpfahl habe ich mein Foto am Pass dann schlussendlich doch noch bekommen. Danke dafür lieber Christian!

Inspiration

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