Sonnora

Küchenchef: Clemens Rambischler | Küchenstil: Französisch

9,9 9,7 10,0 9,8 9,9 1

Die wohl bekannteste "Torte" unseres Landes gibt es in der Eifel. Und schon so mancher Foodjunkie hat allein um in diesen Genuss zu kommen, den Weg nach Dreis, egal wie weit er auch sein mochte, auf sich genommen.

Klassik ist die wahre Kunst. Das ist die Basis von allem. Modern kann sich jeder nennen, der mit Gewalt was anderes machen will.“. Dies ist eines der berühmtesten Zitate des legendären und 2017, leider viel zu früh, verstorbenen Helmut Thieltges. Fast vierzig Jahre kochte er in der Eifel auf absolutem Top-Niveau und führte das familieneigene Waldhotel Sonnora mit seinem gleichnamigen Restaurant in die kulinarische Champions League. Seit 1999 ist dieses, ohne Unterbrechung, mit drei Sternen vom Michelin ausgezeichnet und auch alle anderen Führer vergeben seit Jahren stets ihre Höchstnote.

Nach Thieltges Tod war es mit, dem damals erst 28 Jahre jungen, Clemens Rambichler, sein langjähriger Sous-Chef, der von Patronin Ulrike Thieltges auserkoren wurde, in die sehr großen Fußstapfen ihres verstorbenen Mannes zu treten. Völlig klar, dass Ende 2017 alle Augen der Foodszene nach Dreis blickten, um zu sehen, ob es Rambichler gelingen würde das Niveau seines Mentors zu halten.

Aber Rambichler ließ sich davon nicht beirren und setze weiterhin auf höchste Produktqualität, harmonische Kombinationen und präzises Handwerk, anstatt mit aller Macht das Rad neu zu erfinden. Belohnt wurde dies mit der Bestätigung der Auszeichnung im Michelin, was ihn seither zum jüngsten 3-Sternekoch Deutschlands macht.

Ich besuche das Sonnora an einem Sonntag im Frühling, als eine der letzten Stationen auf meiner BOTW-Tour. Nach dem Corona-Chaos war es gar nicht so einfach, hier einen Tisch zu bekommen. Aber ich hatte Glück und vor zwei Wochen erreichte mich die Nachricht von Ulrike Thieltges mit der Bestätigung meiner Reservierung. Sie ist es auch, die uns - ja, heute zu zweit, denn meine Frau ist mit von der Partie - vor dem Restaurant in Empfang nimmt und zum Tisch geleitet.

Wir bestellen einen Rosé Champagner als Aperitif, der uns gemeinsam mit der Speise- und Weinkarte erreicht. Da ich heute tatkräftige Unterstützung am Tisch habe,  beschäftige ich mich zunächst mit der umfangreichen Weinkarte, die geradezu dazu einlädt auf eine Weinbegleitung zu verzichten und sich stattdessen flaschenweise zu vergnügen.

So werden wir mit einer Flasche 2011er Brunello di Montalcino von Conti Costanti starten, dem später ein 2003er Château La Conseillante aus dem Pomerol, sowie ein großartiger 1996er Château Ducru-Beaucaillou, dem Deuxième Grand Cru Classé eingestuften Château aus dem Saint-Julien, einer meiner liebsten Appellationen im Bordeaux, folgen werden.

Speisetechnisch entscheiden wir uns natürlich für das „Sonnora Menü“. Da dieses bei einer Vorspeise und dem Hauptgang eine „gegen-Aufpreis-Option“ anbietet, trifft  es sich gut, dass ich heute mit kulinarischer Verstärkung unterwegs bin, denn so wählt meine Frau mit der „Torte vom Rindefilet-Tatar“ und der „Tranche vom Kagoshima Wagyu“ jeweils die Aufpreisoption und ich bleibe bei der „normalen“ Menüfolge.

Wie sich im Laufe des Abends herausstellen wird, hätten wir uns eine anfängliche Diskussion darüber wer welches Gericht wählt sparen können, denn Clemens Rambichler will scheinbar einem Ehekrach vorbeugen und erweitert einfach unser Menü dahingehend, dass jeder von uns auch den Alternativgang als „Gruß aus der Küche“ bekommt. Zusätzlich wird er mit dem Kaisergranat noch einen Klassiker des Hauses als weiteren Gruß mit einbauen. An dieser Stelle nochmals ein ganz  herzliches Dankeschön für diese wunderbare Geste.

Tja, und was soll ich sagen; das Menü war einfach herausragend und eines der besten, welches ich in den letzten Jahren genießen durfte. Wenn man überhaupt etwas hervorheben kann, dann natürlich die „Kleine Torte vom Rinderfilet-Tatar mit Imperial Gold Kaviar auf Kartoffelrösti“; der Klassiker des Hauses für den allein so mancher Foodjunkie den Weg in die Eifel auf sich nimmt. Auch phänomenal waren die „mit Perigord-Trüffel aromatisierte Gänseleber“ und die „Medaillons vom gegrillten, bretonischen Hummer“.

Ein solcher Abend führt mir wieder mal vor Augen, dass moderne Küche definitiv inspirierend, spannend und oftmals einfach großartig ist, es am Ende aber doch immer wieder die klassische Küche ist, die mich am meisten begeistert. Vor allem, wenn man sie in einer Perfektion geboten bekommt, wie es hier im Sonnora der Fall ist.

Inspiration

das könnte Dich auch interessieren

Loading...